skulptur fuer die ausstellung

carschenna ii, villa hestia, thusis 1997

hea 200, heb 800 4.20m / 2.10m /
gruppenausstellung mit vincenzo baviera, matias spescha, guenter frenzel,

spallo kolb liebt das spiel mit dem moment des widerspruchs und die inszenierung des risikos. in seiner arbeit "ueber das stellen und das legen" hat ihn das gefaelle des abhangs gelockt, eine stahlplastik zu schaffen, die in ihrer klaren konstruktion zunaechst wie selbstverstaendlich dort steht. dann aber, vielleicht erst beim zweiten oder dritten blick, gewahrt der betrachter eine stelle des freien schwebens, einen spalt, der signalisiert: "das stehen ist nur ein balancieren", denn die schwergewichtige konstruktion steht unten tatsaechlich nur auf einer schmalen kante auf. und ploetzlich klafft in der anfaenglichen gewissheit der stabilitaet ein riss, durch den das risiko ins bewusstsein dringt.

 

 

 

dabei ist das ganze eine einfache , leicht nachvollziehbare konstruktion: auf einem parallel zum hang gefuehrten stueck hea 200 - stahl liegt, mit dieser auflage an wenigen punkten verschraubt, das ende eines 4 meter langen doppel - t - traegers aus hea 800 auf, der ueber den abhang hinaus waagrecht in den freien raum zeigt. am vorderen ende ruht er auf einem senkrecht gestellten, oben und unten im rechten winkel abgetrennten stueck des gleichen materials, das sich auf eine betonplatte stuetzt. hiermit endet das "selbstverstaendliche".
denn weil die stuetze rechtwinklig und nicht der neigung des gelaendes entsprechend schraeg abgeschnitten ist und daher nur auf der hinteren kante ruht, und weil die betonplatte selbst dem hang mehr aufliegt als dass sie in ihn eingelassen und somit verankert scheint, wird der druck der konstruktion auch hier auf die hintere kante konzentriert. zwischen stuetze und auflager klafft ein spalt, und auch das auflager hebt sich einen spalt weit vom boden ab: spannung. alles stabil oder aber aeusserst labil ?

diese arbeit reiht sich ein in eine gruppe von werken, die verwandte themen umkreisen. erinnert sei an das "flechtwerk" fuer die helvet'art 1988 in st. gallen, an den kubus im marmoriweiher waehrend der eisen 89 in dietikon / zh, danach in wettingen / ag und an den "floating cube" (rhein tal kubus)
fuer die rhein art 97,m widnau ch - lustenau / a.
saemtliche aktionen, die das moment des schwebens, kippens oder stuerzens beinhalten und die gefahr, das scheitern einschliessen...
so ist auch fuer thusis ein ebenso fragil wie stabil wirkendes gebilde entstanden, das scheinbar den newton'schen gravitationsgesetzen zu widersprechen sucht. ein balanceakt eben zwischen dem zuverlaessigen, notwendigen und erprobtem und dem risiko des spiels, des neuen, des ueberraschenden und gefahrvollen.
john matheson

IX = hea 200, heb800